dreieck Das Abzeichen sah ich vor einigen Jahren im Militaria-Forum wehrmacht-awards.com, wo sich der Besitzer über weitere Details erkundigte. Sicher war man sich nicht und auch das dort erwähnte französische Armes Militaria Magazine konnte zwischen seinen Berichten in den Jahren 1983 (Heft 23) und 2004 (Heft 228) keine Hintergründe zusammentragen. Das im Forum erwähnte Foto, auf dem eine weibliche Zoll(grenzschutz)-Angehörige mit dem Abzeichen zu sehen sein soll, wurde trotz Bitte weder im Forum veröffentlicht, noch antwortete der vermeintliche Besitzer auf Nachfrage. Jedenfalls wurde das Abzeichen in keiner mir bekannten Vorschrift erwähnt, insbesondere da in den Akten des Reichsfinanzministeriums Sonderabzeichen und geplante Abzeichen recht gut dokumentiert sind. Im Frühjahr 2018 tauchten bei verschiedenen Militariahändlern derartige Abzeichen und Feldmützen mit dem Abzeichen auf, die einheitlich als Forst beschrieben wurden.

Nachdem ich diese Information in diesem Beitrag veröffentlichte, gab es zahlreiche Reaktionen, die von Bestätigung über kritischem Hinterfragen bis zu inakzeptablen aggressiven Angriffen reichten. Anscheinend ist das an sich banale Thema teils emotional sehr aufgeladen.

Nachfolgend die bekannten Fakten, sollten Sie weitere Informationen haben, bitte ich um Nachricht.

  • Tuchfarbe: Die dunkelgrüne Farbe des Stoffes wurde vom Zollgrenzschutz benutzt, jedoch ebenfalls vom Reichsforstamt, der Deutschen Jägerschaft und anderen NS-Organisationen.
  • Sägezahnrand: Der Sägezahnrand wurde fast ausschließlich vom Zollgrenzschutz genutzt und kommt so ebenfalls bei den Kragenspiegeln, dem Zollflieger-Abzeichen und dem (geplanten aber nicht eingeführten) Zoll-Edelweiß vor. Allerdings wurde das Sägezahnmuster auch vom Reichsarbeitsdienst an Offiziers-Kragenspiegeln verwendet.
  • Dreieck-Form: Die Form ist für den Zollgrenzschutz ungewöhnlich, da Abzeichen oval waren.
  • Hakenkreuz: Der Zollgrenzschutz nutze das Hakenkreuz nur am Ärmelband, der Feldmütze, dem Schiffchen und dem Zollgrenzschutz-Ehrenzeichen. In diesen Fällen jedoch stets in Verbindung mit dem Zoll-Adler, einem abgewandeltem NS-Hoheitszeichen. Das auf der spitze stehende Hakenkreuz war für den Zollgrenzschutz ungewöhnlich, kam aber bei Förstern/Jägern zum Einsatz (Wikipedia-Artikel).
  • Akanthusblatt (?): Während die Wehrmacht das Eichenlaub als Emblem nutze, war dies beim Zollgrenzschutz das Akanthusblatt. Möglicherweise ist unterhalb des Hakenkreuzes ein Akanthusblatt abgebildet, es könnte aber auch aus dem Bereichen Forst/Jagen stammen und z.B. ein stilisiertes Geweih darstellen.
  • Verwendung: Es spricht viel dafür, dass das Abzeichen an Feldmützen getragen wurde. Entsprechende Vorschriften oder Fotos aus dem Zollgrenzschutz sind mir jedoch nicht bekannt. Unklar ist ist auch, warum solch ein Abzeichen beim Zoll eingeführt werden sollte. Es gab ab etwa 1941 Feldmützen mit bereits etablierten Abzeichen, als es schon schwierig war, genug Stoff für Uniformen, Abzeichen etc. zu beschaffen. Aus diesem Grund wurde z.B. die Einführung eines eigenen Edelweiß-Abzeichens zurückgestellt und der Kreis der Uniform-Träger ständig reduziert. Ferner wurden unter Führung des Reichsministeriums für Bewaffnung und Munition mit zunehmender Kriegsdauer immer rigoroser Ausrüstung und Uniformteile der verschiedenen Organisationen vereinheitlicht und nicht kriegsnotwendige Maßnahmen zurückgestellt. Denkbar wäre, dass das SS-Reichssicherheitshauptamt nach Übernahme des Zollgrenzschutzes zwischen Oktober 1944 und Mai 1945 ein neues Abzeichen plante. Effizienter und schneller wäre jedoch die Verwendung entsprechender SS-Abzeichen gewesen, wie es beim Ärmelabzeichen geschah.
  • Beweise: Konkrete Fakten, Belege oder offizielle Unterlagen, die eine Verwendung im Zollgrenzschutz beweisen, konnte bisher niemand beibringen.

Es gibt ein ähnliches Abzeichen, ebenfalls dreieckig, mit grünem Tuch und Sägezahnrand, wobei die Spitze oben ist und als einziger Inhalt die Inschrift ZGrSch enthalten ist. Dieses Abzeichen ist mir bisher aus den Unterlagen des Reichsfinanzministerium bzw. von Fotos ebenfalls nicht bekannt. Spekulationen sprechen von einem Abzeichen für weibliche Zollangehörige, jedoch konnte dies bisher nicht mit Fakten untermauert werden. Die Ähnlichkeit beider Abzeichen mag in beiden Fällen auf den Zollgrenzschutz hindeuten, könnte aber auch ein Zufall sein.

Ich möchte ich mich ganz herzlich bei den zahlreichen Hinweisgebern bedanken, ferner bei John Vanzo für die Erlaubnis sein Foto für diesen Beitrag zu verwenden.