Stiftung

Am 30.01.1938, dem 5. Jahrestag der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler, wurden für Polizei, Reichsarbeitsdienst, SS, Luftschutz, Feuerwehr und Grubenwehr Dienstauszeichnungen für langjährige treue Dienste gestiftet. Hinzu kam das Treudienst-Ehrenzeichen, das mit gleichem Hintergrund an die öffentliche Verwaltung und die Wirtschaft verliehen werden konnte. Die Wehrmacht verfügte bereits seit dem 16.03.1936 über eine Dienstauszeichnung.
Damit hatten die meisten Organisationen im Bereich der öffentlichen Sicherheit eine eigene Auszeichnung, zu denen sich auch der Zollgrenzschutz zählte. Er kam zwar für das Treudienst-Ehrenzeichen in Frage, von dem auch Gebrauch gemacht wurde, wünschte sich jedoch eine eigene Auszeichnung. Dies führte zu einer gewissen Verstimmung, worauf man zunächst prüfte, ob die Polizei-Dienstauszeichnung auch an den Zollgrenzschutz verliehen werden könnte, was schließlich verneint wurde.

Als Folge regte Finanzstaatssekretär Fritz Reinhardt bei Adolf Hitler die Stiftung eines eigenen Ehrenzeichens an, der er am 17.02.1939 zustimmte. Als Begründung wurde der im Wesentlichen reibungslose und kräftezehrende Einsatz des Zollgrenzschutzes bei der Eingliederung des Sudetenlandes und Österreichs im Jahr 1938 genannt. Dennoch orientierte sich die Verleihung letztendlich weniger an Kriterien wie Leistung oder Einsatz, sondern überwiegend an der im Zollgrenzschutz verbrachten Dienstzeit.

Informationen zu Kopien und Fälschungen befinden sich hier.

Form und Trageweise

ehrenzeichen k Das Zollgrenzschutz-Ehrenzeichen ist ein Tatzenkreuz aus Buntmetall. Auf der Vorderseite umfasst ein oben offener Akanthuskranz das Hoheitszeichen (Adler mit Hakenkreuz). Auf der Rückseite umfasst ein oben offener Akanthuskranz die Inschrift Für treue Dienste im Zollgrenzschutz. Die Maße betragen in etwa: 47 mm Höhe mit Öse, Breite 42 mm, 22 g Gewicht.
Getragen wurde das Ehrenzeichen, wie damals generell bei Dienstzeitabzeichen üblich, an einem kornblumenblauen Band auf der linken Brustseite. Auf dem Band war das von einem oben offenen Akanthuskranz eingefasste Hoheitszeichen eingestickt.

Anders als die meisten anderen Dienstabzeichen hatte das Zollgrenzschutz-Ehrenzeichen nur eine Verleihungsstufe.

Vorbild dürfte die Polizei-Dienstauszeichnung gewesen sein. Beide Ehrenzeichen ähneln sich bis auf den Akanthuskranz und das Hoheitszeichen stark, auch die Inschrift auf der Rückseite unterscheidet sich nur geringfügig.

Laut Gesetz über Titel, Orden und Ehrenzeichen von 1957 darf das Ehrenzeichen ohne nationalsozialistische Embleme getragen werden. Die Umsetzung erfolge durch Entfernung des Hoheitszeichens.

Voraussetzungen

Kriterien für die Verleihung waren:
1. Personenkreis

  • Beamte der Zollaufsichtsstellen (G)
  • Bezirkszollkommissare (G) und Gehilfen
  • Unter bestimmten Voraussetzungen: Beamte der Grenzzollstellen, Ansageposten und Zollfahndungsdienst
  • Vorsteher der Hauptzollämter mit Grenze
  • Grenzreferenten bei Oberfinanzpräsidenten mit Grenze
  • Bewährte Bearbeiter von Zollgrenzschutzangelegenheiten
  • Männer mit besonderen Verdienste um den Zollgrenzschutz

2. Dienstzeit

  • Beamte im höheren Dienst nach vierjähriger Grenzdienstzeit
  • Beamte im gehobenen Dienst nach vierjähriger Grenzdienstzeit
  • Beamte im mittleren Dienst (Versorgungsanwärter *) nach vierjähriger Grenzdienstzeit
  • Beamte im mittleren Dienst (Zivilanwärter *) nach achtjähriger Grenzdienstzeit

* = Versorgungsanwärter waren Soldaten, die nach ihrer aktiven Dienstzeit in die Reichsfinanzverwaltung übernommen wurden, während Zivilanwärter direkt aus dem Zivilleben kamen.

Nach dem Anschluss Österreichs und des Freistaates Danzig wurden die entsprechenden Grenzdienstzeiten angerechnet, das Ehrenzeichen konnte aber erst nach mindestens einjähriger Tätigkeit im Zollgrenzschutz der Reichsfinanzverwaltung verliehen werden.

Verleihung

urkunde standard kDie Verleihung wurde durch eine Urkunde dokumentiert, die neben dem Namen auch die Amtsbezeichnung und den Dienstort enthielt. Urkunden lagen in den Dienststellen der Beamten vor und mussten ausgefüllt dem Reichsfinanzministerium zugeleitet werden, das die Urkunden einmal pro Monat gesammelt an die Präsidialkanzlei zur Entscheidung gab. Diese unterschrieb dann der Chef der Präsidialkanzler, Otto Meissner. Für die Versagung des Ehrenzeichens galten die Vorschriften des Treudienst-Ehrenzeichens sinngemäß, worunter nicht nur die Verurteilung zu schweren Strafen fiel, sondern z.B. auch Verurteilung wegen politischer Vergehen und Ausstoß aus der NSDAP.

verleihung kDie erste Verleihung des Zollgrenzschutz-Ehrenzeichens fand am 24.11.1939 statt und damit erst gut 9 Monate nach der Stiftung. An diesem Tag wurde den vier Angehörigen des Bezirkszollkommissariats Konstanz, die an der Verhaftung des Hitler-Attentäters Georg Elser am 08.11.1939 beteiligt waren, von Staatssekretär Reinhardt das Ehrenzeichen verliehen. Es scheint, als habe das Reichsfinanzministerium bewusst früher beantrage Verleihungen hinten angestellt und so die ebenfalls Gelegenheit genutzt, das Abzeichen einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen, sowie der Auszeichnung die richtigen Weihen zu geben.

Nichtbeamte konnten das Ehrenzeichen anscheinend nicht erhalten, denn stets wird in den Vorschriften ausdrücklich von Beamten gesprochen. Dies ist zumindest überraschend, da bei der Besetzung des Sudetenlandes und Österreichs und vor allem während des Krieges der Zollgrenzschutz zu einem großen Teil aus nichtverbeamteten Hilfsgrenzangestellten bestand. Die einzige mir bekannte Ausnahme war die Verleihung an den bei der Elser-Verhaftung beteiligten Hilfsgrenzangestellten Waldemar Zipperer.
Die genaue Zahl der Verleihungen ist nicht bekannt, dürfte sich aber im oberen vierstelligen Bereich bewegen.

Polenfeldzug

urkunde troppau kNach Beendigung des Polenfeldzuges kam es Anfang 1940 anscheinend zu besonderen Verleihungen durch das Oberfinanzpräsidium Troppau. Diese standen laut Urkunde im Bezug zum persönlichen Einsatz im Zollgrenzschutz bei den Kampfhandlungen gegen Polen. Damit waren die Ehrenzeichen nicht, wie sonst üblich, abhängig von der Dienstzeit verliehen worden.

Die Urkunde weicht stark vom Standard der Reichsfinanzverwaltung (siehe weiter oben) ab und wurde bisher in keiner der bekannten Publikation erwähnt. Auch sehen die Vorschriften eine Ausfertigung durch die Präsidialkanzlei in Berlin vor, was hier nicht der Fall ist. Unterschrieben hat hier der Oberfinanzpräsident Troppau, Herbert Jancke.

Da die Urkunde aus der Familie des Ausgezeichneten stammt, muss von einem Original ausgegangen werden. Sollten Sie mehr Informationen haben, bitte ich um Nachricht an email.

Herzlichen Dank an K. Lücke für das Foto.