Um den Jahreswechsel 1944/45 herum überschritten die Alliierten die westlichen und östlichen Reichsgrenzen, wobei die Grenzbewachung zunächst keine große Rolle spielte. Die Alliierten sicherten die öffentliche Ordnung mit Militär und Polizei, während die Grenzsicherung schnell an besondere Organisationen übergeben wurde. Diese setzten vielfach ehemalige Zollgrenzschützer ein, wobei die Alliierten zunächst kein einheitliches Konzept verfolgten. 1947 schlossen sich die amerikanische und die britische Besatzungszone wirtschaftlich zusammen (Bizone), vereinigten den Zollgrenzschutz aber erst 1949 unter Umbenennung in Zollgrenzdienst. Der Zollgrenzschutz/Zollgrenzdienst war schon vorher aus der Finanzverwaltung herausgelöst worden und ging erst 1949 wieder in ihr auf. In der französischen Besatzungszone blieb die von Beginn an Zollgrenzdienst genannte Grenzsicherung Bestandteil der Finanzverwaltung. Nach Gründung der Bundesrepublik Deutschland im Mai 1949 dauerte es noch einige Zeit, bis im August 1950 der Zollgrenzdienst im Westen durch Bundesgesetz wieder den Oberfinanzpräsidenten übertragen wurde.

Zöllner teilten in der Kriegsgefangenschaft das Schicksal der Soldaten und hatten in der Regel Arbeit zu verrichten. Dabei war die Not in den Lagern zunächst oft groß, die Verpflegung schwierig und hygienische Bedingungen schlecht sodass sich Seuchen ausbreiteten, darüber hinaus hatten die Gefangenen vielfach für die Besatzungszeit schwer zu büßen. Die Zöllner gerieten in Lager fernab der Heimat, z.B. in Frankreich, Italien, Großbritannien, Nordafrika, USA, Sowjetunion. Während die ersten schon in den Tagen nach Kriegsende frei kamen, entließ insbesondere die Sowjetunion die letzten Gefangenen erst zu Beginn der 50er Jahre. Im Zoll bzw. Zollgrenzschutz, der in den Nürnberger Prozessen nicht zur verbrecherischen Organisation erklärt wurde[1], konnten viele Zöllner ihre Karrieren aus der NS-Zeit unbeschadet fortsetzen.

Die Frage nach der Beteiligung von Zollgrenzschützern an NS-Verbrechen lässt sich nur schwer beantworten, sofern man nicht pauschalisieren will. Dies liegt im Wesentlichen an fehlenden oder bisher nicht gefundenen Unterlagen. Thomas Sandkühler hat nachgewiesen, dass der Zollgrenzschutz an der Vertreibung von Juden über die Deutsch-Niederländische Grenze beteiligt war[2]. Darüber hinaus waren Zollgrenzschützer gegen Kriegsende als Wachpersonal in Gefängnissen[3] und zumindest im KZ Neuengamme[4] eingesetzt. Dass zumindest einige aus der Führungsriege des Zollgrenzschutzes von NS-Verbrechen wussten, belegen erhaltene Aussagen im Bundesarchiv, laut denen man sich dem Anfordern von Personal durch SS für Aktionen gegen z.B. Juden widersetzt hätte[5]. Auch soll es eine Anweisung des Generalinspekteurs Johann Hoßfeld gegeben haben, sich an derartigen Aktionen nicht zu beteiligen. Da zahlreiche Konzentrationslager im Osten in Grenznähe lagen ist fraglich, ob Zöllner von den Geschehnissen nicht etwas mitbekommen haben. Gerade im Osten scheint der Waffengebrauch an der Grenze mitunter locker gehandhabt worden zu sein. So wurde gegen vermutete Schmuggler nach Anruf scharf geschossen und dabei zahlreiche Menschen getötet[6]. Im Jahr 1942 lockerte Hoßfeld den Waffengebrauch gegen entflohene sowjetische Kriegsgefangene, auf die dann verpflichtend zu schießen war. Ob sich Zollgrenzschützer z.B.an Exekutionen beteiligten, ob sie sich gegenüber der Bevölkerung in den besetzten Gebieten unkorrekt verhielten ist bisher ungeklärt. Auch die Rolle im Widerstand und z.B. beim Hitlerattentat im Juli 1944 ist bisher nicht bekannt.

  • [1] Urteil Nürnberger Prozeß (Abschnitt Gestapo und SD)
  • [2] Von der „Gegnerabwehr” zum Judenmord. Grenzpolizei und Zollgrenzschutz im NS-Staat, in: Beiträge zur Geschichte des Nationalsozialismus 16 (2000), S. 95-154
  • [3] Johannes Tuchel: ‚…und ihrer aller wartete der Strick‘. Das Zellengefängnis Lehrter Straße 3 nach dem 20. Juli 1944. Lukas Verlag, Berlin 2014
  • [4] Magisterarbeit von Markus Kompisch: "Zöllner an der inneren Front: der Einsatz der Zollgrenzschutzangehörigen im Wachdienst in den Außenlagern des KZ Neuengamme"
  • [5] Bundesarchiv Berlin-Lichterfelde Bestand R110 Anhang
  • [6] Bundesarchiv Berlin-Lichterfelde Bestand R2-25270 ff.