Aufbau

Ende der 1920er Jahre ging die Reichswehr davon aus, dass eine neuerliche militärische Auseinandersetzung nicht erst mit einer förmlichen Kriegserklärung beginnen würde. Man erwartete vielmehr, dass der Gegner im Vorfeld Spione und Saboteure über die Grenze schleusen und die Situation mit der Zeit mehr und mehr eskalieren würde. Den Einsatz militärischer Formationen zur Abriegelung der Grenze hätte in dieser Situation einen beginnenden Konflikt verschärften können und war auch wegen des durch den Versailler Vertrag auf 100.000 Mann begrenzten Reichsheeres schwierig. Hierbei war es geboten, vorhandene Ressourcen und bewaffnete Kräfte außerhalb der Reichswehr zu nutzen. Deswegen bot es sich an, den bereits an der Grenze stehenden Grenzaufsichtsdienst (1937 in Zollgrenzschutz umbenannt) in die militärische Grenzsicherung einzubeziehen. Die Männer kannten das jeweilige Gelände, waren erfahren im Umgang mit illegalen Grenzübertritten und hatten auch einen gewissen Einblick in Geschehnisse jenseits der Grenze.

Für diese Aufgabe war die personelle Ausstattung jedoch zu schwach, weswegen man ab 1933 die folgenden Szenarien entwickelte:

  • Normalfall: Der Grenzaufsichtsdienst/Zollgrenzschutz bewacht die Grenze.
  • Krisenfall: Der Verstärkte Grenzaufsichtsdienst (VGAD) wird einberufen. Hierbei wurde der Grenzaufsichtsdienst/Zollgrenzschutz um militärisch ausgebildete Wehrpflichtige der Grenzbevölkerung ergänzt, der VGAD war Bestandteil der Reichsfinanzverwaltung.
  • Ernstfall: Die Grenzwacht wird einberufen. Hierbei wurde der bereits einberufene VGAD um Soldaten und Führer der Wehrmacht ergänzt, die Grenzwacht war Bestandteil der Wehrmacht

Die Planungen waren streng geheim und bis ins Detail ausgearbeitet, damit in der Reichsfinanzverwaltung und Reichswehr/Wehrmacht jede Stelle wusste, was zu tun war. Die Pläne sahen vor, dass die Reichsregierung über die jeweiligen Stufen entschied. Der Reichsfinanzminister gab die Einberufungs-Anordung an die Landesfinanzämter (LFA) / Oberfinanzpräsidien (OFP) weiter, die über die Hauptzollämter und die Bezirkszollkommissariate die Grenzaufsichtsdienststellen (GASt) alarmierten. Von den GASten wurden die Verstärkungskräfte durch Telefon, Boten etc. alarmiert. Gleichzeitig wurden über die Befehlskette der Reichswehr/ Wehrmacht die örtlichen Einheiten informiert. Im Notfall hätte auch das betroffene LFA/OFP mit dem örtlichen militärischen Befehlshaber aktiv werden können. Es fanden regelmäßige Übungen statt, der VGAD war innerhalb weniger Stunden einsatzbereit.

Die Vorschriften und Pläne wurden stets auf dem laufenden gehalten und schließlich im September 1937 in den Bestimmungen für die Vorbereitung eines Verstärkten Grenzaufsichtsdienstes an den Grenzen des Reichs (Best.-VGAD) zusammengefasst. Für das an der Küste eingesetzte Personal wurde kurz darauf die Best.-VGAD-Küste erlassen.
Die Bestimmungen waren auf einen Verteidigungskrieg ausgelegt, weshalb ein bestimmtes Personalkontingent aus leistungsstarken und militärisch ausgebildeten Männern der nahen Grenzbevölkerung für den VGAD reserviert blieb. Als das Deutsche Reich ab 1939 zu Angriffskriegen überging, genoss die Wehrmacht Vorrang und zog die Männer ein. Um den Personalbedarf einigermaßen zu decken, rekrutierte der Zollgrenzschutz nach Kriegsbeginn auf Basis der Notdienstverordnung vom 15.10.1938 und deren Ergänzungen.

Einsatz

Der VGAD wurde bei den Besetzungen des Sudetenlandes, Österreichs, der Tschechoslowakei und des Memellandes aufgerufen und sicherte die Grenzen, während die eigentliche Besetzung der Gebiete durch die Wehrmacht geschah. Nach wenigen Tagen erging der Auflösungsbefehl, da keine Gegenwehr erfolgte.

Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde der VGAD eine Dauereinrichtung. Die Wehrmacht deckte ihren Personalbedarf aus dem Kreis der Grenzbevölkerung und auch aus dem Zollgrenzschutz selber. Um die Lücken zu füllen und immer größere Gebiete abdecken zu können, stellten die Wehrbezirkskommandos dem Zollgrenzschutz mittels Notdienstverordnung Männer aus den noch nicht zur Wehrmacht einberufenen Jahrgängen zur Verfügung.
Der VGAD war in allen Einsatzgebieten des Zollgrenzschutzes aktiv und mit der Zeit wurde der Begriff Verstärkter Grenzaufsichtsdienst zum Synonym für den Zollgrenzschutz.

Die Ausbildung der Verstärkungsmänner erfolge in eigens eingerichteten Zollzügen bei Landesschützen-Ersatz-Bataillonen, bzw. in den Ausbildungslagern des Zollgrenzschutzes.

Uniform & Dienstgrade

img1645 kDie Verstärkungskräfte, Hilfsgrenzangestellte (Higa) genannt, trugen Wehrmachtsuniformen ohne Rang- und Hoheitsabzeichen, dazu die Zoll-Dienstmütze und auf einer Armbinde das Wappenschild (siehe Bild rechts).
Mit der Zeit wurde diese Bekleidung als ungerecht empfunden, da die Higa an der Grenze den gleichen Dienst wie die Stammbeamten verrichteten. So durften sie ab Juli 1940 die gleiche Uniform wie die Stammbeamten tragen, sowie die Kragenspiegel und Schulterstücke der Zollbetriebsassistenten (ergänzt um eine zollgrüne Spange).
Bis zum Oktober 1940 gab es keine Möglichkeit der Beförderung, diese weitere Benachteiligung sollte im Rahmen der Schaffung einer Zollgrenzschutz-Reserve (ZGR) beseitigt werden. In ihr waren alle Higa zusammengefasst, wobei es sich mehr um einen Oberbegriff, als eine organisatorische Einheit handelte.

Ab Oktober 1942 gab es drei Dienstgrade:

  • Hilfszollbetriebsassistent: Alle bisherigen Hilfsgrenzangestellten.
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  • Hilfszollassistent: Wenn der militärische Dienstgrad mindestens Unteroffizier war, oder wenn aufgrund der dienstlichen Leistungen und der Persönlichkeit die Eignung zum Führen einer Streife vorhanden war. Dies galt nach mindestens einjähriger Dienstzeit im Zollgrenzschutz.
    hizass
  • Hilfszollsekretär: Wenn aufgrund der Persönlichkeit die Eignung zum Postenführer (Leiter einer Grenzaufsichtsstelle) vorhanden und wenn der militärische Dienstgrad mindestens Unteroffizier war.
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Die Beförderung zum Hilfszollsekretär sollte eine Ausnahme bleiben und eine Anerkennung für außergewöhnliche Leistungen sein, auch sollten nie mehr als 10% der Reservisten in einem Hauptzollamt / einer Befehlsstelle diesen Dienstgrad tragen.

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Vereidigung

Im Januar 1941 bestimmte Finanzstaatssekretär Fritz Reinhardt, dass die Angehörigen der Zollgrenzschutz-Reserve nun auch in feierlicher Form auf den Führer zu vereidigen seien. Damit sollte laut Reinhardt den Reservisten die ihnen übertragene Verantwortung im Zollgrenzschutz eindrucksvoll vor Augen geführt werden.

Die Vereidigung hatte gemäß §4 des Deutschen Beamtengesetzes stattzufinden:

  1. Die besondere Verbundenheit mit Führer und Reich bekräftigt der Beamte mit folgendem Eide, den er bei Antritt seines ersten Dienstes zu leisten hat:
    Ich schwöre: Ich werde dem Führer des Deutschen Reiches und Volkes, Adolf Hitler, treu und gehorsam sein, die Gesetze beachten und meine Amtspflichten gewissenhaft erfüllen, so wahr mir Gott helfe
  2. Gestattet ein Gesetz den Mitgliedern einer Religionsgesellschaft an Stelle des Eides andere Beteuerungsformeln zu gebrauchen, so kann der Beamte, der Mitglied einer solchen Religionsgesellschaft ist, diese Beteuerungsformel sprechen.
  3. Erklärt der Beamte, dass er Bedenken habe, den Eid in religiöser Form zu leisten, so kann er ihn ohne die Schlussworte leisten.

Ferner galten folgende Durchführungsbestimmungen:

  • Vereidigung bei einer Dienststelle, die eine Dienstflagge führt. Vor der Vereidigung ist eine Flaggenhissung durchzuführen.
  • Vereidigung einer möglichst hohen Zahl von Reservisten. Bereits Vereidigte nehmen unter Gewehr teil, zu vereidigende Reservisten tragen nur Seitenwaffen.
  • HZA-Vorsteher / Befehlsstellenleiter, bzw. Bezirkszollkommissare haben die Vereidigung vorzunehmen. In kurzer Ansprache ist auf die Bedeutung des Eides hinzuweisen.
  • Die Vereidigung endet mit der Führerehrung
Personalstruktur

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